Liebe, die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine intensive gefühlsmäßige, zumindest der Vorstellung nach auf Vertrauen und Dauer angelegte und entsprechend positiv erlebte Beziehung zu einem anderen Menschen zu entwickeln, wobei diese aber in unterschiedlichen Epochen und Kulturen verschieden erlebt, aufgefasst und durch Verhaltensregeln bestimmt wird. Gefühlsmäßige Beziehungen zu anderen Lebewesen (besonders Tieren), zu Sachen (Geld, Bücher), Tätigkeiten (Musizieren, Kochen) oder Ideen (Wahrheit, Freiheit, Heimat, Natur) fallen ebenfalls unter den Begriff Liebe. Ihre besondere Eigenart gewinnt die als Liebe bezeichnete zwischenmenschliche Beziehung dadurch, dass ihr Wert, über eine Zweck-Mittel-Überlegung hinausgehend, in der Existenz des anderen (E. Fromm) oder in der Liebe selbst erfahren werden kann. Liebe ist so weder dem Subjekt noch seinem Gegenüber allein zuzuordnen, sondern hat ihren Ort in einem zwischen den Liebenden entstehenden Vorstellungs- und Erfahrungsraum, der seinerseits durch seine dialogische Anlage (M. Buber) die Existenz der Beteiligten verändert oder bestimmt.
Herzschmerz, ein Zustand von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit und Passivität von unterschiedlicher Dauer (Tage bis viele Wochen). Die Ausprägung reicht von gedrückter Verstimmtheit bis zu dumpfer Regungslosigkeit. Häufig ist Depression eine verständliche seelische Reaktion, die in zeitlichem Zusammenhang z. B. mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen (normale Trauerreaktion) steht, aber auch nach schweren Enttäuschungen, Konflikten sowie seelischen und körperlichen Misshandlungen auftreten kann. Depression im psychiatrischen und psychologischen Sinn ist ein über eine normale Trauerreaktion hinausgehender Zustand, bei dem ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zu einem belastenden Ereignis nicht vorliegen muss. Neben der gedrückten Stimmung fallen die Betroffenen durch stetes Grübeln, unbegründete Schuldgefühle, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebsverlust, sozialen Rückzug, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Störungen der Sexualfunktionen und körperliche Symptome (Verstopfung, Kopfschmerzen, Herzschmerzen) auf. Auch Erregung und selbstaggressives Verhalten (Suizidgefahr) können vorkommen. – Behandlung: Neben psychotherapeutischen Maßnahmen ist oft eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva, gegebenenfalls die Behandlung einer organischen Grundkrankheit erforderlich.
Romantik, eine zum Gefühlvollen, zum Idealisieren, zum Wunderbaren, Märchenhaften und Fantastischen neigende Weltauffassung und -darstellung.
Sexismus [lateinisch] der, Bezeichnung für jede Art der Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts sowie für die diesen Erscheinungen zugrunde liegende Ideologie; im engeren Sinn Begriff der →Frauenbewegung, der die Bestimmtheit des gesellschaftlichen Denkens durch geschlechtsbezogene, auf die Benachteiligung der Frau zielende Stereotypen bezeichnet. Sexismus findet sich in Einstellungen und psychisch-emotionalen Dispositionen, in Vorurteilen und Weltanschauungen ebenso wie in sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen sowie in der Form faktischer Gewalttätigkeit im Verhältnis der Geschlechter (Vergewaltigung, Frauenhandel, sexuelle Belästigung, herabwürdigende Behandlung und Sprache) und in der Rechtfertigung dieser Gewaltstrukturen durch den Verweis auf eine ›naturgegebene‹ Geschlechterdifferenz. Der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Sexismus hat sich v. a. die →Frauenforschung gewidmet. Seiner Überwindung im öffentlichen Leben und im Arbeitsleben (→Frauenarbeit) moderner westlicher Gesellschaften, wo Sexismus nach wie vor im Fortbestehen geschlechtsbestimmter traditioneller ›Rollenzuweisungen‹ einen Ausdruck findet, dienen als politische Instrumente mit dem Ziel realer Gleichberechtigung die Frauenförderung und →Frauenquoten.
Mann, erwachsener männlicher Mensch. Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen dem Mann als Mensch mit männlichen Geschlechtsmerkmalen und der männlichen Geschlechtsrolle, durch die in der jeweiligen Gesellschaft bestimmte Eigenschaften, Verhaltensweisen und Einstellungen als typisch männlich festgelegt und tradiert werden. – In den meisten Kulturen sind Selbstverständnis und gesellschaftliche Rolle des Mannes durch die Vorrangstellung gegenüber der Frau geprägt. Die allgemeine Geistesgeschichte erscheint als eine Geschichte der Entwicklung des männlichen Bewusstseins, das sich selbst aber stets als allgemein menschlich verstanden hat. Während Männer sich als Kulturschöpfer begriffen und v. a. im bürgerlichen Zeitalter das Prinzip der Unterwerfung der Natur, des ökonomischen, technischen und kulturellen Fortschritts repräsentierten, wurde das Weibliche der instinkt- und emotionsbetonten Natur zugeordnet. Der Untermauerung der durch festgefügte Rollenschemata verankerten gesellschaftlichen und rechtlichen Vorherrschaft des Mannes dienten eine entsprechende theologisch begründete Weltordnung und/oder die Berufung auf naturgegebene Geschlechtsunterschiede. In der Neuzeit, v. a. seit der industriellen Revolution, wurde die Geschlechterpolarisierung unter maßgeblichem Einfluss der →Frauenbewegung in den Industrieländern zunehmend abgebaut und die prinzipielle Gleichberechtigung von Mann und Frau verfassungsmäßig verankert. Diese Veränderungen haben einerseits zu einer nachhaltigen Verunsicherung männlicher Identität geführt, andererseits wurden Chancen zur Umorientierung männlicher Lebensführung eröffnet.
Frau [althochdeutsch frouwa ›Herrin‹], weiblicher erwachsener Mensch. Die geschlechtsspezifischen körperlichen Merkmale der Frau sind v. a. geprägt durch die biologische Funktion der Fortpflanzung. Diese biologischen Merkmale werden in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich sozial überformt. Ebenso differiert die Wesensdefinition der Frau je nach geografischem Raum, historischer Epoche sowie Gesellschafts- und Kulturtypus.
Geschichte: Antike bis 13. Jahrhundert: In den frühgeschichtlichen Kulturen nahm die Frau zum Teil eine herausragende Stellung ein, z. B. in China, allem Anschein nach auch im östlichen Mittelmeerraum. Im antiken Griechenland ging im 7./6. Jahrhundert v. Chr. mit der Ablösung der bäuerlichen Sippengemeinschaft durch eine merkantile Stadtkultur eine zunehmende Abwertung des weiblichen zugunsten des männlich-patriarchalischen Prinzips einher, jedoch ging von gebildeten Hetären oft namhafter geistiger und politischer Einfluss aus. Grundlage des römischen Gemeinwesens bildete der durch die autokratische Gewalt des (männlichen) Familienoberhaupts geprägte Familienverband. Gesellschaftlich genoss jedoch die Römerin eine wesentlich höhere Wertschätzung als die griechische Frau. Die frühchristliche und mittelalterliche Kirche und Theologie bestimmten die Rolle der Frau v. a. in den Extremen der vom Weg des Heils abbringenden Verführerin Eva und der jungfräulichen Mutter Maria. Thomas von Aquin begründete die Gehorsamspflicht der Frau gegenüber dem Mann aus der von Aristoteles übernommenen Auffassung von der physiologischen Minderwertigkeit der Frau. Erst im 13. Jahrhundert erlangte die Frau ihre Anerkennung als Rechtssubjekt sowie Zugang zu Handel und gewerblicher Produktion. 15. Jahrhundert bis heute: Erneute Abhängigkeit und Unfreiheit brachten die Umwälzungen des 15. und 16. Jahrhunderts, einerseits durch die Annahme des römischen Rechts und die Entdeckung des antiken (Haus-)Frauenideals in der Renaissance, andererseits durch den Hexenwahn. Humanismus, Reformation und Gegenreformation, die bedeutenden Anteil an der Schaffung des neuzeitlichen Menschenbildes hatten, haben die Theorie von der grundsätzlichen weiblichen Unterlegenheit nicht wesentlich modifiziert. Demgegenüber war der Typus der philosophisch gebildeten Frau, des ›Blaustrumpfs‹ und der ›Gelehrten‹, zumindest ideell in das auf Vernunft begründete egalitäre Menschenideal der Aufklärung einbezogen. Aufgrund der wirtschaftlichen Umwälzung durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert drangen Frauen allmählich in alle gesellschaftlichen Bereiche vor und organisierten sich in Bewegungen, die die privatrechtliche Gleichstellung der Frau und ihre Selbstständigkeit im öffentlichen Leben erstrebten. Inzwischen ist in allen industrialisierten Ländern die Gleichstellung von Frau und Mann verfassungsmäßig verankert, faktisch bestehen für die Frau jedoch in bestimmten Bereichen der Gesellschaft (z. B. im Berufsleben und in Bezug auf das allgemeine gesellschaftliche Rollenverständnis) Benachteiligungen fort.
Geschlechtsverkehr, Geschlechtsakt, Beischlaf, Coitus, Koitus, Kohabitation, Sexualkontakt, bei dem der Penis in die Partnerin beziehungsweise den Partner eingeführt wird (penetrierender Sexualkontakt), im weiteren Sinn auch nicht penetrierender Sexualkontakt (z. B. Necking, Petting). Die Formen des Geschlechtsverkehrs sind sowohl hinsichtlich der eingenommenen Positionen, der sexuellen Handlungen als auch der Häufigkeit vielfältig und werden von individuellen Vorlieben, Möglichkeiten der Verwirklichung, aber auch durch sexuelle Normen der jeweiligen Gesellschaft geprägt. Die traditionelle Wertung des Geschlechtsverkehrs als biologischer Akt, dessen Funktion in der Besamung innerhalb des Konzeptionszeitraums mit Befruchtung und Schwangerschaft besteht, ist v. a. in westlichen Ländern im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts durch eine Sichtweise ergänzt worden, die kommunikative Aspekte, sexuellen Lustgewinn und Befriedigung durch körperliche und emotionale Nähe stärker in den Vordergrund rückt (→Sexualität). – Strafrecht: Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten (→Inzest), mit abhängigen Personen, Widerstandsunfähigen, →Vergewaltigung und →sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (früher Verführung) sind strafbar (§§ 173 folgende StGB).
Kuss, das Berühren eines Menschen oder Gegenstandes mit den Lippen. Der Kuss leitet sich möglicherweise von der Mund-zu-Mund-Fütterung, wie sie bei vielen Tieren üblich ist, ab. Neben seiner erotisch-sexuellen Bedeutung hat der Kuss die Funktion des Bezeugens von Zuneigung, Verehrung (Handkuss), Unterwerfung (Fußkuss), Versöhnung (Friedenskuss) oder der Begrüßung und Verabschiedung (als Kuss gilt auch der Nasengruß bei Naturvölkern); die symbolische Besiegelung von Verlöbnis und Eheschließung mit einem Kuss hatte früher (wie auch bei anderen Rechtsakten) Rechtskraft. – Grundlage der religiösen Symbolik des Kusses ist der Austausch von Kraft durch die Berührung und Begegnung des Atems (Hauchseele). Durch das Küssen von Kultbildern oder sakralen Gegenständen sollen göttliche Kraft und Segen übertragen werden.
Hass, intensives Gefühl der Abneigung und Feindseligkeit bis hin zur Aggression gegen Personen oder soziale Gruppen, in der die Motive und Eigenheiten des Gehassten nicht mehr wahrgenommen werden (blinder Hass). Insofern wird der Hass vom ›gerechten Zorn‹ unterschieden. Die griechische Naturphilosophie (Empedokles) sah in Hass und Liebe die beiden grundlegenden kosmischen Kräfte, durch deren Wirken alles entsteht und vergeht.
Freundschaft, Form sozialer Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Partnern, die besonders durch gegenseitige Anziehung (Sympathie) und ein Verhältnis persönlichen Vertrauens bestimmt ist, in der Erfahrung gemeinsam erlebter Lebensabschnitte wurzeln kann (z. B. der Schul- oder Studienzeit) und die im Unterschied zu rein zweckbestimmten partnerschaftlichen Verbindungen auch Hilfs- und Opferbereitschaft und freiwillige Verantwortung für den anderen einschließt.
Penis [lateinisch eigentlich ›Schwanz‹] der, Rute, männliches Glied, Phallus, männliches Begattungsorgan bei vielen Tieren und beim Menschen; dient der Samenübertragung in den Körper des weiblichen oder zwittrigen Geschlechtspartners, v. a. bei Bandwürmern auch in den eigenen (zwittrigen) Körper. – Bei den männlichen Säugetieren (einschließlich des Menschen) entwickelt sich der Penis (wie auch die Klitoris) aus dem Geschlechtshöcker und den Geschlechtsfalten. Der bei den Säugetieren in Länge und Form sehr unterschiedliche Penis wird von der Harn-Samen-Röhre durchzogen. Die diese flankierenden Schwellkörper bewirken durch Blutfüllung die Peniserektion. Zusätzlich kann zur permanenten Versteifung ein in den Penis eingelagerter PenisknochenEichel, die von einer Hautfalte, der Vorhaut, ganz oder teilweise bedeckt sein kann. ausgebildet sein (z. B. beim Hund). Das abgesetzte Vorderende des Penis ist die
Vagina, Teil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane; beginnt mit dem Scheidengewölbe und öffnet sich nach außen in den Scheidenvorhof.
Busen, in der Anatomie die zwischen den weiblichen Brüsten gelegene Vertiefung; auch so viel wie Brust, Herz als Sitz der Empfindung und des Gefühls, v. a. in der Dichtersprache; allgemein Bezeichnung für die weibliche Brust.
Hass, intensives Gefühl der Abneigung und Feindseligkeit bis hin zur Aggression gegen Personen oder soziale Gruppen, in der die Motive und Eigenheiten des Gehassten nicht mehr wahrgenommen werden (blinder Hass). Insofern wird der Hass vom »gerechten Zorn« unterschieden. Die griechische Naturphilosophie (Empedokles) sah in Hass und Liebe die beiden grundlegenden kosmischen Kräfte, durch deren Wirken alles entsteht und vergeht.